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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 08.01.2014 um 10.30 UTC



Übergang zu einem eher winterlichen Witterungsabschnitt mit Tagestemperaturen um oder
wenig über dem Gefrierpunkt und leichten bis mäßigen Frösten in den Nächten.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 15.01.2014


Anfangs liegt Deutschland noch an der warmen Seite der Frontalzone. In dieser läuft ein
Kurzwellentrog nach Osten ab, der am Samstag und in der Nacht zum Sonntag den Nordosten
Deutschlands streift. Mit der Passage dieses Troges geht die Temperatur im 850 hPa-Niveau
auf Werte um -5 Grad zurück. Die Niederschläge gehen daher in den Hochlagen der
Mittelgebirge in Schnee über. Von Westen her weitet sich am Sonntag ein Hoch nach
Deutschland aus, wodurch die Niederschläge von Westen her alsbald nachlassen.
Dieses Hoch wird durch einen Höhenkeil gestützt, der sich von Westeuropa bis nach Island
erstreckt und nicht allzu rasch nach Osten vorankommt. Zu Wochenbeginn erfolgt eine
Abschnürung, aus der ein blockierendes Hoch über Island und dem Nordmeer hervorgeht.
Hierdurch organisiert sich die nun weiter südlich liegende Frontalzone neu.
Stromabwärts weitet sich der über Osteuropa liegende Trog weiter nach Süden und nach
Westen aus, so dass der Nordosten Deutschlands zusehends in den Bereich dieses Troges
gelangt. Hierdurch erfolgt am Montag im Norden und Nordosten und am Dienstag auch in den
mittleren Gebieten eine gesamttroposphärische Abkühlung. Im Bodendruckfeld stellt sich am
Rande des Nordmeerhochs eine östliche bis nordöstliche Komponente ein, wodurch kältere
Luft nach Mitteleuropa gelangt. Bis Mittwoch setzt sich dann vor allem
niedertroposphärisch die kältere Luft auch in den südlichen Teilen Deutschlands durch.
Allerdings fällt dann kaum noch Niederschlag. Tagsüber stellt sich dann ein
Temperaturniveau in Gefrierpunktnähe ein. Gebietsweise dürfte sich leichter Dauerfrost
einstellen. In den Nächten ist je nach Aufklaren leichter bis mäßiger, in Schneebedeckten
Gebieten strenger Frost zu erwarten.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum verlagert sich der Schwerpunkt des
blockierenden Hochs zunächst nach Süden bis in die Nordsee und bis Samstag nach Polen. Die
Kaltluftzufuhr wird durch eine östliche bodennahe Strömung aufrecht erhalten.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bereits ab dem frühen mittelfristigen Vorhersagezeitraum zeigen sich Unterschiede zwischen
dem aktuellen und den weiter zurück liegenden Modellläufen. So wird für Montag von
Modelllauf zu Modelllauf die Blockierung kräftiger und die nachfolgende
Tiefdruckentwicklung weiter im Westen simuliert.
Auch für Mittwoch geht die Entwicklung nach dem aktuellsten Lauf eher in Richtung
Winterwetter als nach den Vorläufen. Lag das Vorhersagegebiet nach den beiden gestrigen
Läufen noch im Grenzbereich zwischen milder Luft vom Atlantik und der von Nordosteuropa
einströmenden kälteren Luft, sind nach dem aktuellsten Lauf die Verhältnisse eindeutig.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum wurde von den beiden Modellläufen des
Vortages eine antizyklonale Südostlage simuliert. Der heutige 00 UTC-Lauf zeigt dagegen
ein blockierendes Hoch über der Nordsee und Südskandinavien, das durch ein entsprechendes
Höhenhoch gestützt wird. Dies dürfte einen deutlicheren Temperaturrückgang zur Folge
haben, als am Vortag noch angenommen wurde.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die Entwicklung einer über Nordeuropa einsetzenden Blockierung ist bei allen Modellen
erkennbar. Eine heftige Zyklogenese in der Biskaya, wie sie das GME zeigt, hat allerdings
keines der anderen Modelle im Programm. Unterschiede ergeben sich zu Wochenbeginn, wie
rasch die Kaltluft im Nordosten nach Süden vordringt. EZMW zeigt hier eine langsamere
Version, wogegen bei anderen Modellen dies rascher erfolgen soll. Bis Mittwoch soll sich
nach GME das blockierende Hoch rascher nach Süden verlagern als nach den anderen
Modellen, d.h. die Abkühlung würde rascher und heftiger als nach anderen Modellen
erfolgen.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum verlagert sich nach GFS das blockierende
Hoch allmählich nach Nordosteuropa, nach dem kanadischen Modell soll sich dieses Hoch im
isländischen Raum etablieren. Das Modell des chinesischen Wetterdienstes stützt dagegen
die kanadische Variante. Somit dürfte der winterliche Witterungsabschnitt bis über das
Ende des Vorhersagezeitraumes hinaus andauern.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das EPS des GFS weist bereits ab dem 4. Folgetag einen hohen Spread auf. Die beiden
ungestörten Modellläufe sind eher an der kalten Seite der Verteilung der Lösungen zu
finden. Bisher werden die deterministischen Läufe nur von wenigen Lösungen gestützt.
Demnach wäre eine Grenzwetterlage wahrscheinlicher. Auf eine Andauer der milden Witterung
setzen nur noch Einzellösungen.
Das EPS des EZMW weist ebenfalls einen hohen Spread auf, der allerdings erst ab
Wochenbeginn ausgeprägter in Erscheinung tritt. Der deterministische Lauf ist ebenfalls am
"kalten" Rand der Verteilung zu finden, wogegen der Kontrolllauf im Bereich des Medians
"mitschwimmt". Die Einzellösungen werden für den Vorhersagezeitraum 192 bis 240 H in 6
Cluster unterteilt, wobei etwa die Hälfte der Lösungen Clustern zugeordnet sind, die eine
Blockierung zeigen. Eine ausgeprägte Zonalvariante ist dagegen nicht mehr zu finden. Der
Temperaturrückgang, der etwa ab dem Wochenende einsetzt, wird, wenn auch nicht so deutlich
ausgeprägt wie beim deterministischen Lauf, auch vom EPS mitgetragen. Etwa ab Montag, im
Süden wahrscheinlich ab Dienstag, dürften die Niederschläge auch in tieferen Lagen meist
im fester Phase fallen.
Für außergewöhnliche bzw. extreme Wetterereignisse gibt es jedoch keine Hinweise.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Samstag im Tagesverlauf und am Sonntag kann es im Norden und Nordosten in Verbindung mit
der Passage einer Kaltfront Wind- und stürmische Böen, an der See und im Bergland auch
Sturmböen geben. Oberhalb von etwa 600 Metern gehen die Niederschläge in Schnee über. Am
Montag schneit es im Nordosten dann auch bis in tiefere Lagen, allerdings lassen die
Niederschläge alsbald nach. Im Laufe des Dienstags gehen in den mittleren Gebieten, am
Mittwoch auch im Süden die Niederschläge meist in die feste Phase über. Bis dahin kann es
in Staulagen und auch an der Küste um 10 Zentimeter Neuschnee innerhalb von 12 Stunden
geben. Wenn zur Wochenmitte hin die Temperaturen noch weiter zurückgehen, kommt nicht mehr
viel Schnee nach. Somit dürfte es in tieferen Lagen nur für wenige Zentimeter Schnee
reichen, der zudem wahrscheinlich nicht liegen bleibt.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EPS + det. Modell mit leichter Übergewichtung der deterministischen Lösung.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann